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Was ist Autismus?

Autismus ist eine komplexe Entwick­lungs­stö­rung mit einem weiten Spek­trum, die in den ersten drei Lebens­jahren auftritt. Oftmals wird sie aller­dings erst viel später diagnos­ti­ziert, im Durch­schnitt mit 5 ½ Jahren. Autismus hat in Bezug auf soziale und kommu­ni­ka­tive Fähig­keiten Auswir­kungen auf das Gehirn.

Anzeichen für Autismus

Allge­meine Anzei­chen des autis­ti­schen Spek­trums schließen milde bis schwere Beein­träch­ti­gungen in sozialen Inter­ak­tionen und in der verbalen und non-verbalen Kommu­ni­ka­tion, aber auch Wahr­neh­mungs­stö­rungen, sowie einge­schränkte und sich wieder­ho­lende Verhal­tens­muster ein.

  • Verän­derte senso­ri­sche Wahr­neh­mung
  • Entwick­lung von Ritualen und Stereo­ty­pien
  • Störung der gesamten Kommu­ni­ka­tion
  • Störung im sozialen Verhalten und im sozialen Verständnis
  • Störung im Spiel­ver­halten und in der gelenkten Aufmerk­sam­keit

Die Symptome des autis­ti­schen Spek­trums reichen von sehr mild bis sehr schwer

Die Diagnose Autismus gibt es seit…

1943 wurde Autismus zum ersten Mal von Dr. Leo Kanner vom John Hopkins Hospital erkannt. Gleich­zeitig hat der deut­sche Wissen­schaftler Dr. Hans Asperger eine mildere Form des autis­ti­schen Zustandes beschrieben, heute als Asperger Syndrom bekannt. Unter die Diagnose „Autis­ti­sches Spek­trum“ fallen u. a.:

  • Die Symptome des autis­ti­schen Spek­trums reichen von sehr mild bis sehr schwer
  • Früh­kind­li­cher Autismus, Asperger Syndrom
  • Rett Syndrom
  • PDD NOS (perva­sive Entwick­lungs­stö­rung, ohne nähere Spezi­fi­zie­rung)

In der aktu­ellen Diagnostik gibt es den Über­be­griff von Autismus Spek­trum Störung (ASS), indem alle bishe­rigen Diagnosen von Autismus einge­schlossen sind.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Autismus ist ein Zustand mit einem breiten Spek­trum. Ein ständig anstei­gender Prozent­satz der Bevöl­ke­rung ist davon betroffen (1 von 59, nach Einschät­zungen des CDC’s Autism and Deve­lop­mental Disa­bi­li­ties Moni­to­ring (ADDM) Network, Surveil­lance Summa­ries / April 27, 2018 / 67(6); 1–23). Jungen sind 4 mal so häufig betroffen wie Mädchen.

Die genaue Zahl der Kinder mit Autismus ist nicht bekannt. Ein Bericht des US Centers für Krank­heits­be­kämp­fung und Präven­tion zeigt auf, dass Autismus und verwandte Einschrän­kungen häufiger vorkommen als zuvor vermutet wurde. Es ist unklar, ob dies auf die stei­gende Rate von Autismus oder eine erhöhte Fähig­keit diesen Zustand zu diagnos­ti­zieren, zurück zu führen ist.

Autismus ist schwer zu diagnostizieren

Anders als andere Einschrän­kungen und Erkran­kungen, sind die Symptome von Autismus norma­ler­weise bei der Geburt nicht zu erkennen. Die autis­ti­schen Anzei­chen werden in der Regel in den ersten drei Lebens­jahren deut­lich. Es gibt momentan keinen Blut- oder DNA-Test, um Autismus zu diagnos­ti­zieren.

Autismus ist eine Serie von Symptomen. Nach diesen wird vom Arzt meis­tens erst dann geschaut, wenn bestimmte Entwick­lungs­ver­zö­ge­rungen und Einschrän­kungen nicht ander­weitig erklärt werden können. 

Symptome für Autismus

Kinder mit Autismus haben in der Regel Schwie­rig­keiten in der verbalen und non-verbalen Kommu­ni­ka­tion, in der sozialen Inter­ak­tion und im Fanta­sie­spiel. Manche zeigen auch Aggres­sionen gegen­über anderen Personen oder sich selbst.

Personen mit Autismus können sich wieder­ho­lende Körper­be­we­gungen, unge­wöhn­liche Vorlieben zu Gegen­ständen und auffäl­lige Schwie­rig­keiten bei Wechsel von Routinen aufzeigen. Manche Personen mit Autismus reagieren empfind­lich im Bereich der Sinne (Sicht, Hören, Berüh­rung /Fühlen, Geruch und Geschmack). Zum Beispiel weigern sich manche Kinder “krat­zige” Klei­dung zu tragen und werden sehr gestresst, wenn sie doch dazu gezwungen werden, da ihre Haut so empfind­lich ist.

Einige Kombi­na­tionen der folgenden Charak­te­ris­tiken können in verschie­denen Ausmaßen bei Menschen mit Autismus vorkommen.

Kommunikation

  • Fehlendes Zeigen, um die Aufmerk­sam­keit anderer auf Gegen­stände zu lenken (um den 14. Lebens­monat)
  • Richtet den Blick nicht auf die Dinge, die andere sich anschauen
  • Ist nicht in der Lage, ein Gespräch zu beginnen oder aufrecht zu erhalten
  • Lang­same oder keine Sprach­ent­wick­lung
  • Wieder­holen von Wörtern oder auswendig gelernten Sätze, zum Beispiel aus Werbung oder Filmen
  • Bezeichnet sich selber nicht korrekt (sagt zum Beispiel “Du möch­test Wasser”, wenn es “Ich möchte Wasser” meint)
  • Setzt unsin­nige Reime ein

Kommu­ni­ziert mit Gestik statt mit verbaler Sprache

Reaktion auf sensorische Information

  • Hat eine erhöhte oder geringe Wahr­neh­mung in Sicht, Hören, Berüh­rung, Fühlen, Geruch oder Geschmack
  • Scheint erhöhtes oder geringes Schmerz­emp­finden zu haben
  • Entzieht sich even­tuell Körper­kon­takt, weil dieser als über­sti­mu­lie­rend oder über­for­dernd empfunden wird
  • Zuckt bei lauten Geräu­schen nicht zusammen
  • Könnte Alltags­ge­räu­sche als schmerz­haft empfinden und sich mit den Händen die Ohren zuhalten
  • Reibt Ober­flä­chen, nimmt Gegen­stände in den Mund oder leckt sie ab
  • Zeigt wenig oder kein Fanta­sie­spiel
  • Imitiert die Tätig­keiten und Bewe­gungen anderer Personen nicht

Zieht es vor, allein oder ritua­li­siert zu spielen

Soziale Interaktion

  • Mangel von Mitge­fühl
  • Schließt keine Freund­schaften
  • Ist verschlossen
  • Zieht es vor, allein zu sein, statt mit anderen zusammen zu sein
  • Reagiert even­tuell nicht auf Blick­kon­takt oder Lächeln
  • Vermeidet Blick­kon­takt
  • Behan­delt andere als wären sie Gegen­stände

Spielt keine inter­ak­tiven Spiele

Verhalten

  • Hat eine kurze Aufmerk­sam­keits­spanne
  • Setzt sich wieder­ho­lende Körper­be­we­gungen ein
  • Zeigt ein starkes Bedürfnis für Routinen
  • Hat sehr heftige Trotz­an­fälle
  • Hat sehr einge­schränkte Inter­essen
  • Krank­haftes Verweilen bei ein und demselben Thema oder Denk­in­halt (Perse­vera­tion)

Ist aggressiv gegen­über sich selbst oder anderen Personen

Anzeichen und Tests

Alle Kinder sollten zu Routi­ne­ent­wick­lungs­un­ter­su­chungen beim Kinder­arzt vorge­stellt werden. Weitere Unter­su­chungen könnten notwendig sein, wenn von Seiten der Eltern oder des Arztes Bedenken bestehen. Dies ist beson­ders wichtig, wenn das Kind irgend­eine der folgenden Stufen in der Sprach­ent­wick­lung nicht erreicht hat:

Lautieren und Babbeln mit 12 Monaten

Gestik (Zeigen, Winken) mit 12 Monaten

Einzelne Wörter mit 16 Monaten

Spontane Zwei-Wort-Sätze mit 24 Monaten (nicht nur Wiederholen)

Verlust jeglicher Sprache oder sozialer Fähigkeit in jeder Altersstufe

Die Kinder sollten dann even­tuell einen Hörtest, Blut­test (Blei­ver­gif­tung) und einen Test zur Abklä­rung von Autismus erhalten.

Die eigent­liche Diagnose sollte von einem Arzt erfolgen, der Erfah­rung in der Diagnose und Behand­lung von Autismus hat. Weil es keinen biolo­gi­schen Test für Autismus gibt, basiert die Diagnose oft auf sehr spezi­fi­schen Krite­rien (fest­ge­legt im ICD 10).

Autismus beinhaltet ein weites Spek­trum von Symptomen. Daher kann eine einzelne, kurze Einschät­zung die wahren Fähig­keiten des Kindes nicht vorher­sehen. Im Ideal­fall sollte ein Team von verschie­denen Spezia­listen das Kind evalu­ieren. Ange­schaut werden sollten Sprache, Kommu­ni­ka­tion, Denk­fä­hig­keit, Moto­ri­sche Fähig­keiten, Erfolg in Schule oder Kinder­garten und andere Faktoren.

Manche sind wider­strebt, ein Kind mit Autismus zu diagnos­ti­zieren, da Bedenken bestehen, dem Kind einen Stempel aufzu­drü­cken. Aller­dings führt das Versäumnis, eine Diagnose zu stellen dazu, dass das Kind leider den nötigen Unter­richt und die unter­stüt­zenden Leis­tungen nicht erhält.

Fragen zur Abklärung von autistischen Tendenzen

Es gibt 5 Bereiche von früh­kind­li­chen Verhal­tens­weisen, in denen bei Kindern mit Autismus Abwei­chungen zur normalen Entwick­lung fest­zu­stellen sind. Diese möchte ich Ihnen gerne näher erläu­tern. Denn dies kann Sie dabei unter­stützen, schnellst­mög­lich eine genauere Unter­su­chung auf Autismus zu initi­ieren.

In jedem der 5 Bereiche werden Verhal­tens­weisen aufge­zeigt. Wenn dieses Verhalten bei Ihrem Kind nicht fest­zu­stellen ist oder nur in sehr kleinen Ansätzen zu beob­achten ist, ist das ein Grund zur Beun­ru­hi­gung. Ziehen Sie eine Abklä­rung mit Ärzten in Betracht. Bitte beachten Sie hierbei: Die Abwe­sen­heit eines neuro-typi­schen Verhal­tens ist schwie­riger fest­zu­stellen als die Präsenz von atypi­schen Verhal­tens­weisen.

1. Reagiert das Kind auf seinen Namen, wenn es von seiner Bezugsperson gerufen wird?

Inner­halb der ersten Lebens­mo­nate, reagieren Säug­linge auf ihren eigenen Namen, indem sie sich nach der Person orien­tieren, die sie gerufen hat. Typisch entwi­ckelnde Säug­linge reagieren meis­tens auf die Stimme von bekannten Personen mit Blicken und auch mit einem Lächeln. 

Im Gegen­satz dazu reagieren Klein­kinder, die später mit Autismus diagnos­ti­ziert werden, meis­tens nicht auf ihren Namen. Auch auf Geräu­sche reagieren sie oft nur bedingt. Es kommt auch vor, dass sie manche Geräu­sche komplett igno­rieren, aber auf andere sehr direkt reagieren. So kann es zum Beispiel sein, dass sie keine Reak­tion zeigen, wenn sie von den Eltern bei Namen gerufen werden. Sie hören aber sofort, wenn das Fern­seh­gerät einge­schaltet wird. Es ist nicht unüb­lich, dass Eltern vermuten, dass ihr Kind schwer­hörig oder gehörlos ist. 

2. Teilt das Kleinkind die Aufmerksamkeit?

Gegen Ende des ersten Lebens­jahres, beginnen die meisten Klein­kinder damit, dass sie dieselben Gegen­stände oder Akti­vi­täten anschauen wie ihre Bezugs­person. Um eine gemein­same Aufmerk­sam­keit mit der Bezugs­person herzu­stellen, beginnen typisch entwi­ckelnde Kinder ihren Blick vom Spiel­zeug zur Person zu richten. Sie folgen dem Zeigen anderer mit dem Blick und beob­achten die Blick­rich­tung anderer. Sie zeigen auf Dinge und Akti­vi­täten, um das Inter­esse zu teilen oder um anderen Spiel­zeug zu zeigen.

Dieses Verhalten hat eine bestimmte Qualität des sich Mittei­lens. Zum Beispiel könnte das Klein­kind auf ein Flug­zeug zeigen, das über seinen Kopf hinweg fliegt und dabei seine Mutter oder seinen Vater anschauen, als wollte es sagen: “Schau mal da!” 

Im Gegen­satz dazu haben Klein­kinder mit Autismus große Schwie­rig­keiten die Aufmerk­sam­keit mit anderen zu teilen. Sie richten ihren Blick nur selten auf das Zeigen anderer. Sie wech­seln ihren Blick nicht oft von Gegen­ständen zu Personen. Und sie scheinen nicht wirk­lich anwe­send sein, wenn die Bezugs­person Dinge, Personen oder Tätig­keiten beob­achtet und darüber redet. In der Regel neigen sie auch nicht dazu, den Eltern ein Spiel­zeug zu zeigen. 

3. Imitiert das Kind andere Personen?

Typisch entwi­ckelnde Klein­kinder sind Nach­ahmer. Selbst Babys können Gesichts­be­we­gungen nach­ahmen (z.B. Zunge raus stre­cken oder den Mund öffnen). Schon im Alter von 8 bis 10 Monaten ahmen Mutter und Klein­kind die Laute und Bewe­gungen des anderen nach. Imita­tion spielt auch eine sehr große Rolle in bekannten Finger­spielen, wie z.B. „Backe, backe, Kuchen“ oder “Wie groß?” (“Wie groß ist …? Soooo groß!” während das Kind die Hände hoch streckt). 

Klein­kinder mit Autismus imitieren andere Personen weniger oft. Sie demons­trieren weniger Nach­ah­mungen mit dem Körper oder Gesicht (winken, Grimassen schneiden, Klein­kind­spiele spielen) und imitieren auch weniger mit Gegen­ständen. 

4. Reagiert das Kind gefühlsmäßig auf andere?

Typisch entwi­ckelnde Kinder reagieren sozial auf andere. Sie lächeln, wenn sie ange­lä­chelt werden, sie initi­ieren auch Lächeln und lachen, wenn sie mit Spiel­zeug oder anderen spielen. Wenn typisch entwi­ckelnde Kinder andere Kinder beob­achten wie sie weinen, fangen sie even­tuell selber an zu weinen oder schauen beun­ru­higt. Etwas ältere Klein­kinder krab­beln dann viel­leicht in die Nähe der weinenden Person, strei­cheln oder versu­chen, auf andere Art und Weise Trost zu bieten. Diese etwas später auftre­tenden Verhal­tens­weisen weisen auf Mitge­fühl hin und können vor allem bei Kindern im zweiten Lebens­jahr beob­achtet werden. 

Im Gegen­satz dazu scheinen Kinder mit Autismus die Gefühle anderer nicht wahr­zu­nehmen. Sie bemerken das Lächeln anderer nicht und schauen deshalb auch nicht hin. Sie können als Reak­tion auf das Lächeln der anderen auch nicht zurück lächeln. Sie igno­rieren even­tuell die Trau­rig­keit anderer Personen.

Mehrere Wissen­schaftler haben gezeigt, dass Kinder mit Autismus eher beun­ru­higt als mitfüh­lend sind, wenn sich ein anderer verletzt. Wenn zum Beispiel ein Erwach­sener so tut als ob er sich das Knie ange­schlagen hat, schauen kleine Kinder mit Autismus den Erwach­senen weniger an oder zeigen Beun­ru­hi­gung im Gesichts­aus­druck. 

5. Spielt das Kind Fantasiespiele?

Jemand hat einmal gesagt: “Spielen ist die Arbeit der Kinder”. Klein­kinder lieben Rollen­spiele, in denen sie so tun als seien sie eine Mutter, ein Vater, ein Baby, ein Feuer­wehr­mann oder ein Pferd. Obwohl die Kinder mit etwa 6 Monaten mit Spiel­zeug spielen, kommt es erst am Ende des ersten Lebens­jahres zum Fanta­sie­spiel. Diese Art zu spielen könnte zum Beispiel so anfangen, dass die Mutter oder eine Puppe gefüt­tert werden. Oder das Kind kämmt die Puppe oder bringt den Bären ins Bett. Um den zweiten Geburtstag herum, spielen Kinder imagi­näre Spiele. Puppen nehmen dann mensch­liche Quali­täten wie Spre­chen an oder es werden Haus­halts­rou­tinen nach­ge­spielt. Die Kinder stellen sich dann viel­leicht vor, dass ein Schwamm ein Lebens­mittel, ein Baustein ein Hut oder eine Plas­tik­schüssel ein Schwimmbad mit Wasser ist. 

Im Gegen­satz dazu zeigt das Spielen der Kinder mit Autismus viele Defi­zite auf. Das Klein­kind ist viel­leicht gar nicht an Gegen­ständen inter­es­siert, richtet dafür das Inter­esse mehr auf die Bewe­gung der eigenen Hand oder auf ein Stück Schnur. Falls es doch am Spiel­zeug inter­es­siert ist, sind es oft nur ganz bestimmte Spiel­sa­chen, die das Inter­esse wecken. Und diese werden in sich wieder­ho­lender Weise einge­setzt, was sich nicht mit der Art und Weise deckt, wie die meisten anderen Kinder mit dem Spiel­zeug spielen würden. Sie sind viel­leicht mehr daran inter­es­siert, ein Spiel­zeug­auto umzu­drehen und die Räder zu drehen, statt das Auto hin-und herzu­schieben. Im Groß und Ganzen sind die Quali­täten des Fanta­sie­spiels bei Kindern mit Autismus unter 2 Jahren völlig abwe­send. 

Autismus im Säuglingsalter

Nach einer Studie von Gill­berg, ist es möglich, auch bei Säug­lingen Anzei­chen von Autismus zu erkennen. Die Symptome, von denen am meisten berichtet wird, liegen in den Berei­chen Blicken, Hören und Spielen.

Blick

Das Vermeiden von Blick­kon­takt wird oft als Charak­te­ristik für Kinder mit Autismus bezeichnet. Hierbei kommt es aller­dings vor allem auf die Qualität des Blickes an. Viele Kinder scheinen Personen gar nicht zu sehen und schauen ihnen daher nicht in die Augen. Bei einem Säug­ling mit Autismus erfolgt das Schauen kurz­zeitig und aus dem Augen­winkel.

Gehör

Beson­der­heiten des Hörens sind von großer Bedeu­tung, aber schwierig einzu­ordnen. Bei vielen Kindern mit Autismus wird zu Anfang vermutet, dass sie gehörlos sind. Nur bei wenigen besteht eine Gehör­lo­sig­keit. Aber sie reagieren nicht auf ihren Namen und scheinen von geräusch­vollen Verän­de­rungen im Umfeld nicht beein­flusst zu sein. Kinder mit Autismus scheinen sogar sehr laute Geräu­sche, die die meisten anderen Kinder zusammen zucken lassen würden, zu igno­rieren. Dies könnte etwas mit einem gene­ra­li­sierten Desin­ter­esse am Umfeld zu tun haben.

Da Kinder mit Autismus auf bestimmte Geräu­sche sehr empfind­lich reagieren, könnte dies mit einer unge­wöhn­li­chen Wahr­neh­mung zusammen hängen. Zum Beispiel entwi­ckeln Kinder mit Autismus manchmal eine Faszi­na­tion für bestimmte Töne wie von einem aufge­zo­genen Spiel­zeug oder reagieren auf das Geräusch, verur­sacht durch das Entfernen der Verpa­ckung eines Scho­ko­rie­gels in größerer Entfer­nung. Andere Geräu­sche wiederum scheinen dann extremes Unbe­hagen zu verur­sa­chen, wie zum Beispiel Poli­zei­si­renen oder das Bellen eines Hundes.

Soziale Entwicklung und Spiel

Bei Säug­lingen sind Spiel und soziale Inter­ak­tion so direkt mitein­ander verbunden, dass den Eltern gerade in dieser Entwick­lungs­stufe das selt­same Verhalten ihres Kindes auffällig vorkommt. Säug­linge mit Autismus zeigen oftmals kein Inter­esse an den Spielen, die soziale Inter­ak­tion mit den Eltern erfor­dern.

Das Fehlen dieser gemein­samen Tätig­keit scheint sehr bedeu­tungs­voll zu sein. Die Studie von Frith und Soares zeigt, dass Aussagen von Eltern mit Kindern mit Autismus ein Fehlen gemein­samer Inter­essen und Tätig­keiten inner­halb des ersten Lebens­jahres aufzeigen. Die Kinder zeigen nicht auf Dinge, die sie inter­es­sieren, nehmen keinen aktiven Anteil an Finger­spielen und wollen keine Tätig­keiten gemeinsam ausführen.

Überweisung zu Spezialisten

Frühe Bedenken der Eltern in Bezug auf die Fort­schritte in der Entwick­lung des Säug­lings sollten unbe­dingt beachtet werden. Wenn eine Mutter Befürch­tungen über die sozialen und emotio­nalen Reak­tionen, sowie die Fähig­keiten in der Wahr­neh­mung ausspricht, sollten Fach­leute in Alarm­be­reit­schaft in Bezug auf Autismus sein. 

Ange­mes­sene Über­wei­sungen zu Spezia­listen für Kinder mit und ohne Entwick­lungs­stö­rungen könnten bedeuten, dass die Diagnose schneller als in der Vergan­gen­heit gestellt werden kann. Während Säug­linge autis­ti­sche Züge aufzeigen können, kann nur ein umfas­sendes diagnos­ti­sches Vorgehen aufde­cken, ob sie Autismus haben oder Verhal­tens­ei­gen­schaften anderer Schwie­rig­keiten aufweisen.

Eine professionelle Einschätzung ist notwendig

Dies wird am besten in einer Einheit für Kinder­ent­wick­lung abge­klärt. Mehrere Experten werden hierfür benö­tigt, denn eine gute Zusam­men­ar­beit im Team erbringt bessere Ergeb­nisse zur akku­raten Diagnose. Die Einschät­zung beinhaltet eine Über­sicht der Fami­li­en­ge­schichte, Schwan­ger­schaft, Verhalten des Kindes und Fort­schritte in der Entwick­lung. Eine körper­liche Unter­su­chung ist notwendig, um versteckte medi­zi­ni­sche Bedin­gungen zu erkennen, die zu Abwei­chungen oder Verzö­ge­rungen in der erwar­teten Entwick­lung beisteuern.

Die Entwick­lungs­un­ter­su­chung schließt folgende Punkte mit ein:

  • Fein- und Grob­mo­torik
  • Sprache (Sprach­ver­ständnis, expres­sive Sprache und Laut­pro­duk­tion)
  • Senso­ri­sche Wahr­neh­mung
  • Soziale und emotio­nale Entwick­lung
  • Spielen 

Die Qualität der Entwick­lung ist ein wich­tiger Faktor der Einschät­zung. Es ist zum Beispiel ein großer Unter­schied, ob Fähig­keiten nur vorhanden sind, oder ob sie auch für soziales Verhalten einge­setzt werden. Ein Kind mit Autismus hat zwar viel­leicht die Fähig­keit Worte zu wieder­holen, aber noch kein Verständnis für deren Bedeu­tung. Oder ein Klein­kind mit Autismus kann auf Dinge zeigen, benutzt diese Fähig­keit aber nicht, um Aufmerk­sam­keit einer anderen Person darauf zu lenken.

Im Ideal­fall, sollten Kinder in ihrem alltäg­li­chen Umfeld beob­achtet werden, zum Beispiel zu Hause oder in der Kinder­ta­ges­stätte.

Die Diagnose von Autismus wird wahr­schein­lich nicht inner­halb nur eines Unter­su­chungs­ter­mins erfolgen, beson­ders nicht, wenn das Kind noch sehr klein ist.

Enge Über­wa­chung der Entwick­lung und regel­mä­ßige Einschät­zungen sind notwendig, um einen voll­stän­digen Über­blick zu bekommen. Aber unab­hängig von einer endgül­tigen Diagnose von Autismus oder autis­ti­schem Spek­trum, kann den Kindern und deren Eltern Hilfe ange­boten werden. Säug­linge, bei denen der Verdacht auf eine Entwick­lungs­stö­rung (Autismus/autistisches Spek­trum) besteht, können Dienst­leis­tungen, auf die einzelnen Bedürf­nisse zuge­schnitten, erhalten. Eltern können ange­leitet werden, wie sie ihr Kind in den jewei­ligen Entwick­lungs­ab­schnitten unter­stützen können.

Diagnose

Ein Kind wird mit Autismus diagnos­ti­ziert, wenn es verschie­dene Verhal­tens­formen in drei Defi­zit­be­rei­chen aufzeigt. Diese drei Bereiche sind:

  1. Soziale Inter­ak­tion
  2. Kommu­ni­ka­tion
  3. Verhalten/Interesse.

Defi­zite des autis­ti­schen Spek­trums schließen folgendes mit ein:

  1. mangelnden Blick­kon­takt
  2. fehlender Bezie­hungs­aufbau zu Gleich­alt­rigen
  3. Schwie­rig­keiten, sich in die Lage anderer zu versetzen
  4. fehlendes Fanta­sie­spiel

Wenn kein ange­mes­sener Unter­richt erfolgt, werden viele Kinder von den Effekten des Autismus so weit kontrol­liert, bis sie selbst einfache mensch­liche Inter­ak­tionen nicht mehr managen können.

Das Autis­ti­sche Spek­trum kann in der Regel im Alter von 3 Jahren verläss­lich diagnos­ti­ziert werden. Inzwi­schen unter­stützen die neuesten Forschungen die Diagnose von Autismus auch schon im Alter von 6 Monaten.

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Die Eltern sind die ersten, die das außer­ge­wöhn­liche Verhalten ihres Kindes bemerken und im Vergleich zu anderen Kindern sehen, dass ihr Kind die übli­chen Entwick­lungs­stufen nicht erreicht. Einige Eltern beschreiben, dass ihr Kind von Geburt an anders schien. Während andere Eltern beschreiben, dass sich ihr Kind normal entwi­ckelt hat, dann aber Fähig­keiten verlor.

Kinder­ärzte über­sehen oft die ersten Anzei­chen von Autismus und raten den Eltern, abzu­warten, mit der Erklä­rung, dass das Kind ein Spät­zünder sei. Neue Forschungen zeigen, dass sich die ersten Vermu­tungen der Eltern, dass etwas mit dem Kind nicht in Ordnung sei, oftmals bestä­tigen. Falls Sie Bedenken haben wegen der Entwick­lung Ihres Kindes (oder einem Kind, mit dem Sie arbeiten), zögern Sie nicht. Spre­chen Sie mit einem Arzt (bzw. den Eltern), um Autismus abzu­klären. Das ist das Beste, was Sie für das Kind tun können.

Je früher die Förderung beginnt, desto besser

Falls Ihr Kind mit Autismus diagnos­ti­ziert wird, ist frühe Förde­rung unum­gäng­lich, um den besten Nutzen aus bestehenden Thera­pien zu ziehen. Auch, wenn viele Eltern Bedenken haben, Ihrem Klein­kind den Stempel “Autismus” aufzu­drü­cken, gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, um so früher kann die Früh­in­ter­ven­tion erfolgen.

Die Wissen­schaft zeigt, dass die frühe inten­sive Inter­ven­tion mit ABA/VB (ange­wandte Verhal­tens­ana­lyse und Verbal Beha­vior) für mindes­tens 2 Jahre im Kinder­gar­ten­alter, heraus­ra­gende Verbes­se­rungen für viele Kinder auf dem autis­ti­schen Spek­trum bringen kann.

Sobald also Autismus diagnos­ti­ziert wird, sollte inten­sives Unter­richten erfolgen. Effek­tive ABA/VB-Programme konzen­trieren sich auf die Entwick­lung von Kommu­ni­ka­tion, sowie das Unter­richten von sozialen und kogni­tiven Fähig­keiten.

Ursachen und Risikofaktoren

Autismus ist ein körper­li­cher Zustand, verbunden mit einer Verän­de­rung in der Biologie und Chemie des Gehirns. Die genauen Ursa­chen dieser Verän­de­rungen sind noch unbe­kannt, aber die Forschung ist in diesem Bereich sehr aktiv. Vermut­lich gibt es eine Kombi­na­tion von Faktoren, die zu Autismus führen.

Gene­ti­sche Veran­la­gung scheint bei Autismus wichtig zu sein. Zum Beispiel ist die Wahr­schein­lich­keit, dass bei einei­igen Zwil­lingen beide Kinder Autismus haben höher als bei zwei­eigen Zwil­lingen oder anderen Geschwis­tern. Sprach­pro­bleme kommen auch häufiger bei Verwandten von Kindern mit Autismus vor. Auch Verän­de­rungen der Chro­mo­somen und andere neuro­lo­gi­sche Probleme treten häufiger in Fami­lien mit Autismus auf.

Eine ganze Anzahl von mögli­chen Ursa­chen für Autismus wird vermutet, ist aber nicht bewiesen. Darunter fallen auch Verän­de­rungen im Verdau­ungs­trakt, Ernäh­rung, Queck­sil­ber­ver­gif­tung, Reak­tion auf Impfungen und unzu­rei­chende Verwer­tung von Vitaminen und Mine­ral­stoffen im Körper.

Autismus betrifft Jungs vier Mal so häufig wie Mädchen.

Fami­li­en­ein­kommen, Erziehung/ Ausbil­dung, Lebens­stil, Rasse oder Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit scheinen keinen Einfluss auf die Risiken von Autismus zu haben.

Studien zu Autismus

Infor­ma­tionen zum Thema Autismus und zum aktu­ellen Forschungs­stand